Wie man eine versponnene Holzwurm - Familie wird

 

Es soll ja Fälle geben, in denen man bereits als Holzwurm auf die Welt kommt, bei meinem ist es allerdings nicht so gewesen - ok, zumindest nicht ganz. Mein Holzwurm ist eigentlich Physiker und Ingenieur, der immerhin die Liebe zum Holz und auch das Talent dafür mitgebracht und sich im Lauf seines Lebens viele Kenntnisse angeeignet hat. Bereits als Schulkind im Internat hatte es ihn ständig in die dortige Werkstatt gezogen, und wäre er nicht den Weg des Wissenschaftlers gegangen, wäre aus ihm ein fantastischer Kunstschreiner geworden.

So lebten Herr noch-nicht-Holzwurm und Frau Wollknäuel (winke - das bin übrigens ich ;) ) glücklich dahin, bis es eines schönen Tages passierte: Frau Wollknäuel, der die Liebe zu Wolle und Stricknadeln in die Wiege gelegt worden ist, kam plötzlich auf die Idee, ihre eigene Wolle zu spinnen.
Die Handspindelphase verlief rundrum positiv, also nahmen die Dinge ihren Lauf und Frau Wollknäuel kaufte sich als nächstes ein Spinnrad. Das war so ein klassisches Anfängerteil, was zwar fürs erste seinen Zweck erfüllte, Herrn noch-nicht-Holzwurm aber überhaupt nicht gefallen hat. "Das Design ist schon etwas mickrig", hatte er gemeint, "und da gäbe es auch noch die eine oder andere Funktion, die es eigentlich haben sollte."
Doch zuerst war Frau Wollknäuel mit ihrem neuen Rad erst mal sehr zufrieden, nur die Verzwirnfunktion fand sie völlig unbrauchbar. Und dann kam der denkwürdige Tag, an dem sie ihren handwerklich sehr begabten noch-nicht-Holzwurm gebeten hatte, ihr eine Lazy Kate zu bauen. Sie erklärte ihm genau, worauf es dabei ankam und was sie haben wollte, und der nun-schon-beinahe-Holzwurm machte sich daran, alles umzusetzen.

  Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen, deswegen machte Frau Wollknäuel den schüchternen Vorschlag, ob Herr beinahe-schon-Holzwurm nicht vielleicht Lust hätte, zu versuchen, ein komplettes Spinnrad zu bauen, wenn ihm schon die Lazy Kate so viel Freude gemacht hatte. Dazu kam auch noch, daß Herr beinahe-schon-Holzwurm mittlerweile in Pension gegangen war und so langsam genug davon hatte, Computerprogramme zu schreiben. Eine sinnvolle, neue Beschäftigung, die auch noch Spaß machte, war deswegen mehr als willkommen.

Herr Holzwurm war glücklich mit seiner neuen Tätigkeit, er ging daran, ein wunderschönes Design zu entwerfen und in monatelanger Kleinarbeit mit jeder Menge try & error entstand der Prototyp unseres Samhain-Spinnrads.

Das ist jetzt drei Jahre her, und statt einer kleinen Wohnung mit Hobbyraum bewohnen wir inzwischen eine Werkstatt mit etwas Wohnung drum herum. Mit diesem allerersten Samhain-Rad spinne ich übrigens heute noch beinahe täglich, von feinstem Lace bis hin zu kräftiger Pulloverwolle ist da alles möglich.  

Der Bau eines Spinnrades stellt, wie wir nach und nach gelernt haben, höchste Anforderungen, was aber einem Perfektionisten, wie Herr Holzwurm einer ist, sehr entgegenkommt. Allerdings mußte auch hochwertiges Präzisionswerkzeug angeschafft werden, denn mit dem normalen ‚Spielzeug‘ aus dem Baumarkt kommt man hier nicht weit.

Mittlerweile sind unsere Räder ziemlich ausgereift, jedes einzelne ist liebevoll von Hand gebaut und wird von mir ausführlich getestet. Der Holzwurm platzt nach wie vor schier vor neuen Ideen - und ich habe mich so langsam auch dran gewöhnt, daß das Sägemehl bei uns allgegenwärtig ist. Selbst unser XXL-Kater hat sich damit arrangiert.

Hier noch ein paar Beispielspinnereien (tolles Wort *g*), einmal eine Auftragsarbeit mit selbstgefärbtem Kammzug, aus dem ein sehr schönes Lacegarn mit 450m/50g geworden sind:

 

Graues und naturfarbenes Corriedale miteinander verzwirnt gab einen tollen Pulli für mich:

 

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